Nordlandsbanen Trondheim-Bodø
Die nicht elektrifizierte eingleisige 730km lange Strecke der Nordland-Bahn beginnt in Trondheim, wo die elektrifizierte Dovre-Bahn, von Oslo kommend, endet. Zunächst folgt sie dem Auslauf des Trondheim-Fjords ins Landesinnere, führt durch reizvolle Landschaften an großen Seen entlang, folgt schließlich dem Namsen-Fluss und der Vefsna bis Mosjoen am Vefsn-Fjord. Im Abschnitt Mosjoen bis Mo i Rana verlässt sie streckenweise die ansonsten sie begleitende Europastraße E 6 und windet sich durch abgelegene Seitentäler. Nach Mo i Rana wird das für kurz wiedererreichte Küstengewässer auf längere Zeit wieder ganz verlassen, Bahn und Straße wenden sich nördlich-nordöstlich ins enger werdende aufsteigende Dunderdalen. Bis hierher war die Strecke (in Etappen, ab Trondheim) 1945 fertiggestellt, zum Schluß von den Wehrmachts-Besatzern vorangetrieben. Nach dem Kieg dauerte es dann noch bis 1961, bis die Hafenstadt Bodø erreicht wurde.
Die deutschen Besatzer hatten sogar den verrückten ehrgeizigen Plan, auf Befehl Hitlers eine Polareisenbahn bis zum Nordkap und weiter bis Kirkenes ans Eismeer nahe der russischen Grenze zu bauen, einerseits aus strategischen Gründen, andererseits um den Zugriff auf wichtige Rohstoffe des hohen Nordens wie Eisenerz, Kupfer und Nickel zu sichern. Die Anfänge dazu wurden in den letzten Kriegsjahren sogar noch vorangetrieben, unter massivem unmenschlichen Einsatz von Zehntausenden von Zwangsarbeitern aus Rußland, Polen und dem Balkan, von denen Tausende die Schinderei nicht überlebten. Es blieb der schwierigen Topografie halber nur bei ersten Fragmenten. Nördlich von Fauske existieren noch einige geisterhafte Trassenstücke, Brückenreste und Tunnelanstiche davon. - Der Streckenabschnitt von Mo i Rana hinauf auf das Saltfjell stellt einen ersten Teil dieses Polarbahn-Projekts dar, denn 1942 war die Nordlandbahn nur bis Mo i Rana fertiggestellt. Wenn heutige Reisende durch diese herrliche Landschaft fahren, wissen die allerwenigsten von ihnen, unter wieviel Leid und Grausamkeit dieser Abschnitt errichtet wurde, der zu Norwegens schönsten Bahnstrecken zählt.
Oben: topografischer Grob-Überblick über die Provinz Nordland. Ganz unten der erste rote Klecks ist die Stadt Mosjoen am Vefsnfjord. Darüber der rote Klecks unter der schrägen blauen Polarkreis-Linie ist die Stadt Mo i Rana am Ranfjord, ebenfalls mit Zugang zum offenen Meer. Darüber die weissen Schneekappen des riesigen Svartisen-Gletschers, rechts daneben bis zur schwedischen Grenze das Saltfjell. In diesem Gebiet umrunden Bahnlinie und E 6 von Mo i Rana aus den Svartisen östlich von hinten, weil die Küste im Westen viel zu zerklüftet ist für eine Bahntrasse und größere Straße. Weiter nördlich am Ende des nächsten großen Fjordbogens liegt Fauske, von wo die E 6 weiter hoch Richtung Nordkap führt. Links davon der rote Klecks am Beginn des Saltfjords auf der auslaufenden Landzunge ist die Stadt Bodø (bereits in Sichthöhe der Lofoten), Endstation der Bahn, Flughafen, Knotenpunkt-Fähranleger der Hurtigruten-Postschiffe und der Lofoten-Fähren. - Die Stadt Narvik am Ende des Ofot-Fjords (ganz oben) liegt knapp oberhalb des Kartenausschnitts. - Der Küstenlinie folgend, von Süd-Helgeland kommend, verläuft die landschaftlich äußerst reizvolle, abenteuerliche Küstenstraße RV 17 (Riksveien 17), die es, häufig von Küstenfjorden unterbrochen, mit etlichen spannenden Fjordfähren-Abschnitten schafft, Bodø im Norden westlich entlang der Svartisen-Gletscher-Bergformationen zu erreichen.
Karte von Bodø und Umgebung. Die graue Linie von Bahn und Straße ist von unten herauf links neben der gelben Grenzlinie bis Fauske gut zu verfolgen, ebenso die Lage des Svartisen und Saltfjellet links davon. - Ganz oben, am Ende des Ofot-Fjords die Stadt Narvik, von der aus ostwärts die Erzbergbahn nach Kiruna/Schweden führt.
Die weitere Beschreibung der Nordland-Bahn konzentriert sich hier auf den nördlichen, landschaftlich reizvollsten Teil durch das Polarkreisgebiet.
Landschaft bei Mo i Rana, unweit des Polarkreises
Nordland-Bahn, Station Mo i Rana, ca. 66,2° nördl. Br., am Ende des Ranfjords gelegen. Von hier aus muss die Bahn das große Gebiet des Svartisen-Gletschers auf östlicher Seite umrunden. Dabei überquert sie am Polarkreis auf etwa 700m Höhe das Saltfjell.
Nordland-Bahn, Station Dunderland im Dunderdalen 40 km südlich vor dem Polarkreis, ca 300m üM.
Nordland-Bahn, Station Bolna, wenige km südlich vom Polarkreis, ca. 400m üM
Nordland-Bahn auf dem Saltfjell am Polarkreis (66,5° nördl. Breite) auf etwa 700m Höhe üM. Auf diesem Breitengrad ist bei dieser Höhe die Baumgrenze im Inland bereits überschritten.
Auf dem Saltfjell, abseits der Bahnlinie. Für Wanderer, die die Einsamkeit des Nordlandfjells suchen, bietet die Bahnlinie geeignete reizvolle Ausgangspunkte.

Nordland-Bahn: auf der Saltfjell-Hochfläche
Nordlahn-Bahn: hier passiert sie den Polarkreis (samt dazugehörigem installierten Monumenten-Tor) auf dem Saltfjell
Nordland-Bahn: vor imposanter Bergkulisse auf dem Saltfjell
Nordland-Bahn, Station Lønsdal, 440m üM, wenige km nördlich des Polarkreises und des Saltfjells. Von hier aus erreicht die Bahn nach kurzer Fahrt abwärts durch das Saltdal Rognan am Ende des Saltdalfjords, dann das Städtchen Fauske am Skjaerstadfjord, wo sich die Europastraße E 6 weiter nach Norden wendet (nach Narvik und zum Nordkap).
Nordland-Bahn im Saltdalen
Nordland-Bahn im Winter: Station Rognan südl. von Fauske am Saltdalsfjord. Hier beginnt in südlicher Richtung der kurze steile Aufstieg auf das Saltfjell (ca. 50km / Scheitelhöhe ca. 700m). - Eine alte Di3-Diesellok zieht hier einen kurzen Personenzug.
Nordland-Bahn, Station Rognan: Zugkreuzung, Warten auf den Gegenzug
Nordland-Bahn: Damm über eine Fjordbucht bei Fauske
Nordland-Bahn: Güterzug im Abendlicht an der Fjordküste bei Fauske
Nordland-Bahn, Station Fauske: Freie Durchfahrt für den Autoreisezug
Weiter westlich, am Beginn des großen Saltfjordes, wird in nördlicher Richtung der Nordmeerhafen Bodø erreicht (Endstation der Bahnstrecke und Schiffsumschlagsplatz, Fährhafen zu den Lofoten). Fauske und Bodø liegen beide auf ca. 67,2° nördl.Br. und sind Norwegens nördlichste ans eigene Bahnnetz angeschlossene Bahnhöfe (Narvik, das von Fauske noch 220 Straßen-Km weiter nördlich liegt, ist nur von Schweden aus per Bahn erreichbar).
Nordland-Bahn, Endbahnhof Bodø. Ein Bahnsteig für die täglich je drei ein- und abgehenden Personenzüge von und nach Süden reicht hier völlig. Dagegen breiten sich die Rangier- und Umschlaggleise für den Schiffsumschlagsverkehr aus. Der Bahnhof liegt in Fußnähe zum Lofoten-Fährhafen und dem Hurtigruten-Postschiff-Anleger. - Wie die ganze Stadt ist auch der Bahnhof recht schmucklos: Bodø wurde im 2. Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht dem Erdboden gleichgemacht und erholte sich nur langsam davon. Entsprechend zweckmäßig-schmucklos sehen die meisten neuen Gebäude aus. - Während die Bahnlinie bis Mo i Rana bereits 1942 in Betrieb war, wurde die Strecke ab dem Saltfjell erst nach dem Krieg weitergebaut und Bodø erst 1961 erreicht. - Im Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes ist neuerdings die Jugendherberge untergebracht (sehr praktisch!).
Blick von Bodø-Strand/Stadtrand auf die Fjellberge im Norden der Stadt
Fjell-Landschaft nördlich von Bodø
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In der Nähe von Fauske, bei der Station Finneid, hatte die Sulitjelmabahn Anschluß an die Nordlandbahn, bzw. vorher an den Schiffsverkehr. Die Sulitjelmabahn, eine schmalspurige Bergwerksbahn (750mm/später umgebaut auf 1067mm), die hinauf zu den Minen in den Sulitjelma-Bergen führte und für den Abtransport des Materials zum Fjord sorgte (Schwefelkies und Kupfer), wurde bereits 1891-1915 gebaut und betrieben, also lange vor der Nordlandbahn, die Fauske erst um 1958 erreichte. 1972 wurde sie stillgelegt. Teile der Trasse (auch ihre Tunnels) wurden bis 1975 in den Umbau der Straße RV 830 integriert, die jetzt in das abgelegene Berggebiet nahe der schwedischen Grenze führt. Leider gibt es nur sehr wenig Bildmaterial von dieser Schmalspur-Bergbahn. Immerhin ist eine der alten Hanomag-Dampfloks erhalten (im norwegischen Eisenbahnmuseum in Hamar). Inzwischen hat sich ein kleiner Verein gegründet, der einen kleinen Teil der Strecke wieder aufbauen will.
Sulitjelmabahn im engen Bergtal. Postkarte von 1906
Sulitjelmabahn, Lokomotive "Loke", Hanomag 1892, Norweg. Eisenbahnmuseum Hamar
Auf dieser Seite sind in leider sehr kleinen Fotos noch Reste der alten Bauwerke und Tunnels der Bahn festgehalten, die teilweise jetzt von der Straße benutzt werden: http://www.jernbane.net/norge/langslinjen/Sulitjelmabanen/index.asp
Das Sulitjelma-Berggebiet ist ein ähnlich schönes und ideales Wandergebiet wie das hier (oben) erwähnte Saltfjell.
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Zu Hitlers verrücktem Polarbahn-Projekt kann man sich diesen aufschlußreichen kurzen Text herunterladen:
http://www.my-scandinavia.de/pdf/Polareisenbahn_in_Norwegen.pdf
zwei weitere jüngere Links dazu:
http://www.bunkerratten.de/_Orte/Skandinavien2010.html
http://www.nzz.ch/2004/07/14/al/article9pw10_1.279151.html
Ein sehr schöner Reisefotobericht, der mit wunderbaren Landschaftsfotos das beschriebene Gebiet umrundet (aufwärts auf der E 6, abwärts auf der Küstenstraße RV 17), findet sich hier:
http://www.capper-online.de/Travel/Norway/html/svartisen.htm
http://www.capper-online.de/Travel/Norway/html/stokkvagen.htm
Weitere Links:
http://en.wikipedia.org/wiki/Nordland_Line
http://www.blockstelle.de/reiseskand2000.html
http://www.drehscheibe-foren.de/foren/read.php?30,4390239
Zwei Foto-Wanderberichte, abseits der Bahn:
http://www.treklang.de/Saltfjellfotos/4-12.html
http://www.strubb.de/saltfjell.htm
Ich selber habe die Bahnstrecke noch nicht selbst befahren, habe ihren Verlauf aber während zweier Sommer-Nordlandfahrten (2005 und 2009) von der sie meistens begleitenden Autostraße E 6 aus gut verfolgen können. Auch die traumhaften Landschaften westlich-abseits der Bahn (Saltfjell, Svartisen, die Fjordküste mit der Traumstraße RV 17) habe ich 2x genießen dürfen.