Ohne Moos nix los — Entschleunigung auf der Gartenbahn
Als ich vor etwa 20 Jahren begonnen habe mich mit der Gartenbahnerei zu beschäftigen, waren meine Vorstellungen zu Anlagenform und -ausstattung im Grunde von meiner damaligen HO-Anlage in den Maßstab 1:22,5 skaliert. Möglichst viele Weichen, großer Bahnhof, Bahnbetriebswerk, Drehscheibe, Pola-Häuskens, usw.

Stromversorgung über die Schiene, Trennstellen, Kabel ohne Ende ... damals noch analog. Dennoch war das Ergebnis dieses Aufwandes für mich sehr unbefriedigend. Ewiges Schienenputzen, Pflanzen schneiden, die Natur im 1:22,5-Zaum halten

Mittlerweile bin ich älter, fauler und weiser geworden. Im Garten liegen weniger, aber schlanke Weiche und möglichst große Radien. Das spart Ärger über Entgleisungen, Spezialfummeleien an den Kupplungen und wirkt eleganter. Da ich auf Schienenstrom verzichte, braucht es auch nach längerem Dornröschenschlaf keine aufwändige Putzaktionen mehr. Akku- und Echtdampfloks machen das Leben einfacher. Immer öfter betreibe ich ganz gelassen meine kleine Strecke mit einem Weizenbierglas in Griffweite, statt wie früher mit Werkzeugkasten und Spannungsmesser.
Partner Natur arbeitet mittlerweile für mich. Ich freue mich über jedes neu entstehende Moospölsterchen. Da ich dazu übergegangen bin, meine Schienen in ein Zementbett zu legen um endgültig Ruhe vor wetter- und nagerbedingten Verwerfungen zu haben, versuche ich die Ansiedelung von Kleinstpflanzen durch eine möglichst poröse Mischung aus Estrichbeton, grobem Sand und Splitt zu begünstigen.
