Und sie fährt doch ...

Die Darjeeling Garratt von Locobox

Locobox Garratts

Bildquelle:16mm Garratt Owners & Operators Association
Vier Locobox-Garratts an einem der legendären Fahrtage der britischen Garratt-Liebhaber

Vor etwa drei Jahren konnte ich eine Live Steam Garratt in gebrauchtem Zustand erwerben. Vorausgegangen war eine Diskussion im Buntbahn-Forum, bei der der Besitzer etliche kleinere Mißstände beklagte. Hinzu kam, dass er - wie fast jeder Live Steam Anfänger - jeden Wassertropfen den die Loks beim Aufheizen aus Ventilen und Packungen drückte - als Fehler ansah und in der Folge jede Schraube und Mutter stramm und strammer anzog. Was dazu führte, dass sich die Lok immer schwerer tat. Da die Darji sich auch noch als eine ziemliche Kondesatschleuder geoutet hat, ist sie zu allem Überfluss auch noch der natürliche Feind jeder Schienenstromlok und musste in der Folge wohl in der Ecke stehen.

 

 

So sieht die Locobox Darji nagelneu aus
Bildquelle: PPS-Steam

Ganz sicher ist die Lok irgendwo zwischen Tinplate und Semiscale angesiedelt, dazu noch die Triebwerke mit den oszillierenden Zylindern. Aber, wenn man genau hinsieht kann man es erkennen, auch die Mona Lisa hat eine krumme Nase. Das erste Bild zeigt den optischen Ist-Zustand — der technische ist aktuell lieber zu verschweigen — das folgende den Wunschzustand.

die Darjeeling Garratt von Peter Angus mit Roundhouse Triebwerken
Bildquelle: Geoff Munday - Lightline

Die grüne Lok ist eine von Peter Angus gebaute Garratt auf Basis zweier Roundouse-Triebwerke und hat technisch mit der Locobox-Lok nichts zu tun. Der Farbton und die von Geoff Munday aufgebrachten Zierlinien stellen für mich aber das erreichbare Ziel dar.

Um die Lok bzw. einige ihrer Schwestern im Betrieb zu sehen hier zwei Youtube-Videos.

 

Michael

Das Vorbild

Der Lokbezeichnung B-Class ist für jeden Eisenbahnfreund ein Begriff. Bezeichnet sie doch die legendären B-Kuppler der Darjeeling Railway mit der 610 mm = 2 Fuß Spurweite. Aber D-Class?? Die D-Class ist das große Vorbild für meine Darji mit der Typbezeichnung 0-4-4-0 Beyer-Garatt. Bestellt 1910 bei Beyer-Peacock, geliefert 1911 an die Darjeeling Railway.

Die D-Class sollte durch höhere Leistung und die Kurvengängigeit in der Lage sein zwei der B-Class Loks zu ersetzen. Als besonderer Vorteil wurde die garratt-typische, breite Feuerbüchse für die hohen Anforderungen auf Bergstrecken angesehen. Das folgende Bild zeigt wie sich die D-Class über verwundene Gleislagen schlängeln konnte.

Bildquelle: Werkfoto Beyer-Peacock

Auf den ersten Blick wird man die Lok sicher als recht groß einschätzen. Betrachtet man das nächste Bild aber genauer, wird man sicher über den Größenunterschied zwischen Mensch und Lok erstaunt sein.

Bildquelle: Manchester Museum of Science & Technology / The Iron Sherpa Vol. 2

Ziemlich selten sind Bilder der D-Class im Betrieb. Das ist kein Wunder, da nur 1 Exemplar der Garratt-Type geliefert wurde und diese nicht den Erwartungen der Darjeeling Railway entsprach. Zu oft stand die Lok in der Werkstatt. Hier eines der raren Bilder: Es zeigt einen respektablen Güterzug im Chunbatti Loop. Das Bild zeigt die Lok in der umgebauten Version. (Dazu mehr im nächsten Kommentar)

Bildquelle: The Iron Sherpa Vol. 1

 

Michael

श्वाएबिष दार्जीलिंग

Member of the 16mm Association
Member of the Darjeeling Himalayan Railway Society

Der Umbau bis 1917

Recht schnell zeigten sich bei der mit viel Vorschußlorberren in Betrieb gegangenen neuen Baureihe eine ganze Reihe von Kinderkrankheiten. Um die von der Bahngesellschaft vorgegeben Anforderungen zu erfüllen, hatten die Ingenieure von Beyer-Peacock tief in die Trickkiste gegriffen. So musste sich zum Beispiel in den Kurven der Mittelträger mit Kessel und Führerhaus Richtung Kurvenäußeres bewegen umd das Lichraumprofil einzuhalten. Bewirkt wurde dies durch eine aufwendige Mechanik an den Lagerzapfen der Triebwerke. Undichte Dampfleitungen und Schwierigkeiten bei der snchronen Steuerung der Dampfmaschinen waren noch die kleineren Übel.

Bis 1917 wurden an der Lok Reparaturen und Verbeserungen ausgeführt. auch die äußere Erscheinung änderte sich. Ins Auge fallend ist das verlängerte Dach, der Wegfall der hinteren Führerhauswand und die Erhöhung des hinteren Vorratsbehälter. Die folgenden beiden Bilder (Foto und Gemälde), zeigen die modernisierte D-Class.

 

Nach dem Abschluss der Umbauten war die Lok endlich in der Lage ihre enorme Leistungskraft auf die Schiene zu bringen. Nun stellte sich aber heraus, dass die engen Radien der Bergstrecke es gar nicht zuliessen die mögliche Zuglänge auszunutzen, ohne dass es zu Entgleisungen kam. Einige der Loops waren einfach zu eng für große Zuglängen.

Der Einsatz der D-Class mit dem Namen "Highland Chief" beschränkte sich vorwiegend auf die Strecke zwischen Tindharia und Darjeeling. Obwohl die Lok für die Berge konstruiert wurde, konnte sie ihre Leistungskraft erst in der Ebene beim Schleppen von Zügen bis zu 180 Tonnen entfalten. Um 1940 wurde die Lok in Tindharia zerlegt.

श्वाएबिष दार्जीलिंग

Member of the 16mm Association
Member of the Darjeeling Himalayan Railway Society

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