Antike Transportbahnen

Haytor Granite Tramway

Im wildromantischen Dartmoor (Devon/Südwest-England) befindet sich eine einzigartige, größtenteils noch erhaltene alte Tramway Line, die nicht nur Granit transportierte, sondern deren Schienen ebenfalls aus demselben Material bestehen: die Haytor Granite Tramway.

Sie war eine einzigartige Feldbahn aus der "Vor-Eisenzeit" der Entwicklung der Eisenbahn, gebaut aus Granitsteinplatten mit eingemeißelten Schienenrillen. Sie führte im östlichen, hier etwa 400m hoch gelegenen Dartmoor von den Höhen der Haytor-Felsen (454m) mit ihren Granitbrüchen zum Fluss Teign herab, talwärts im Material-Abtransport durch die eigene Schwerkraft betrieben.

Der Haytor-Granit war besonders feinkörnig und von hoher Qualität und wurde für besondere Haus- und Brückenkonstruktionen verwendet. Der Großteil der Produktion im 19. Jahrhundert wurde nach London verschifft. Die Brüche erlebten ihre Blütezeit zwischen 1800 und 1850, bis der günstigere Cornwall-Granit den Dartmoor-Granit ablöste.

Die 16 km lange Bahn mit einer Höhendifferenz von 400 m wurde 1820 gebaut und führte herab zum Stover Canal, einer Erweiterung des River Teign, von wo aus das Material verschifft werden konnte. Die rauhen unregelmäßigen Granitplatten der Bahn mit den eingearbeiteten Rillen wurden direkt im Untergrund verlegt. Die Spurweite betrug 1295mm (4 ft 3 in). Die Radflanken wurden innen durch dort erhöhte Rillenflanken geführt. In den Weichen wurden die Räder an den Herzstücken durch eine kleine bewegliche Schwenkzunge aus Eichenholz geführt. Aufwärts zurück zu den Brüchen wurden die leeren Wagen durch Pferdegespanne gezogen. Die beladenen Züge (bis zu 12 Wagen) wurden (mehr oder weniger ausschließlich) durch ihre Schwerkraft abwärts zum Umschlagplatz am Kanal geführt.

Große Teile der alten Trasse bis hinauf zu den alten Brüchen kann man heute noch leicht auffinden und erwandern - in großartiger geschützter Naturpark-Hochmoor-Landschaft!

 

oben und unten: Granitfelsformationen des HayTor, 454m

oben: einer der Haytor Quarries (Granitbrüche)     unten: talwärts führende Trasse im Wald unterhalb 

oben: Abzweigung/Ausweichstelle oben auf dem Moor        unten: Weichenzungen-Herzstück

Man könnte denken, der bräunliche rundliche Fleck vor dem erhabenen Herzstück wäre der abgebrochene Rest des in die Drehpunkt-Bohrung eingelassenen Zungenlenkers aus Eichenholz. 

unten: so ähnlich dürften die Transportwagen ausgesehen haben:


 

weitere Fotos und Seiten: 

http://www.aditnow.co.uk/mines/Haytor-Granite-Quarry/

http://www.aditnow.co.uk/album/Haytor-Granite-Quarry-User-Album/

 http://www.9fairfield.eclipse.co.uk/haytor/haytorone.html

http://southwestrailways.fotopic.net/c1357177.html

 http://en.wikipedia.org/wiki/Haytor_Granite_Tramway

Steineisenbahnen

Im "Allgemeinen deutschen Conversations-Lexicon für die Gebildeten eines jeden Standes", Leipzig 1840 ("moderne" Gugel-Digitalversion, >Abschnitt 1) werden auf Seite 675 sogenannte Steineisenbahnen erwähnt. Der Oberbegriff ist etwas merkwürdig, weil eines dieser Systeme gar kein Eisen mitverwendet.

Zunächst werden hier Bahnen mit Eisenschienen auf Steinschwellen bzw. Granitplatten beschrieben, die u.a. auch deshalb gebaut wurden, weil sie für manche Länder bzw. Bahngesellschaften je nach Materialvorkommen billiger zu realisieren waren. Frühe Abschnitte der GWR (Great Western Railway) im Vereinigten Insel-Königreich wurden z.B. so konstruiert. Auch die erste deutsche Eisenbahnlinie Nürnberg-Fürth wurde deshalb mit solchem Steinunterbau gebaut. - Des weiteren gab es (noch früher) auch reine Holz-"Eisen"-Bahnen mit Holzschienen auf Holzschwellen (etwa im Bergwerksbetrieb).

Aus ebendiesem obigen Grund gab es aber auch die zwar selten aber eben doch auch versuchte reine Stein-Bauart mit Steinschienen (!) auf Steinfundament (demnach also die ganz klar entschieden preisgünstigste!). Und zwar nicht nur in der wie im obigen Beitrag gezeigten etwas rohen Bauweise für feldbahnmäßige Transportzwecke. Sondern in England liess man z.B. seinerzeit (also um 1840) eine solche Steinbahn von Liverpool nach Holyread anlegen. Es heisst da dann: " Man wendet zwar gegen die Steinschienen ein, dass sie nicht die Glätte des Eisens haben, allein bei Anwendung der Dampfmaschinen ist der Kräfte Überschuss so groß, dass die Steinschienen dasselbe leisten wie die eisernen, und sie haben noch den Vortheil, dass auf ihnen die Räder beim Berganfahren weniger abrutschen als auf den Eisenschienen..." Letzter Aspekt ist ohne Zweifel unschlagbar - solange die Steine halten ... Über den zu erwartenden Reisekomfort auf solchen Gleisen sagt das gebildete Conversations-Lexicon leider nichts Weiteres aus.

älteste antike Transportbahn

Die wohl offensichtlich älteste bekannte antike Transportbahn - eine Steinbahn - war der ca. 7 km lange Diolkos, der in der Antike (gebaut im 7. Jh. v.C.) den Isthmus, die Landenge von Korinth überwand (Scheitelhöhe 79m üM). Es war ein breiter Steinplattenweg mit Fahrrillen, der gewissermaßen nach dem Eisenbahnprinzip funktionierte, und über den vermutlich Schiffe auf Transportwagen von einem Golf zum anderen herübergezogen wurden (von Sklaven, Pferden, mit Winden?); und wenn nicht ganze Schiffe, dann immerhin deren Ladungen auf besonderen Transportwagen. Es heisst, dass der Diolkos etwa 6 Jahrhunderte lang in Betrieb war (also bis ins 1. Jh. v.C.). - Teile davon sind relativ gut erhalten und können besichtigt werden. Ein größerer Teil verschwand allerdings mit dem Durchstich der Landenge = dem Kanal von Korinth (gebaut 1881-1893, 6,3km lang).

Hier dazu einige Links (mit Fotos):

http://de.wikipedia.org/wiki/Diolkos

http://www.sailingissues.com/corinth-canal-diolkos.html

http://www.city-of-loutraki.gr/history-culture/the-diolkos-corinth-canal.htm

http://www.greekarchitects.gr/gr/αρχιτεκτονικες-ματιες/αρχαίος-δίολκος-Ένα-μνημείο-σε-απόγνωση-id890  (griechischer Text - die Fotos sprechen für sich!)

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